Die aktive Väterrolle in der Familienarbeit und Kindererziehung stärken

Anrede,
auf allen politischen Ebenen und in allen politischen Parteien steht die Familienpolitik aktuell ganz oben. Endlich wird uns schmerzlich deutlich, dass die für viele Bereiche problematische demographische Entwicklung in Deutschland etwas mit einer jahrzehntelangen verfehlten Familienpolitik in unserem Land zu tun hat.

Erheblicher Nachholbedarf bei Kinderbetreuungseinrichtungen, bessere finanzielle Unterstützung für junge Familien und vor allem die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sind die aktuellen Schlagwörter bei möglichen Lösungsvorschlägen. Während andere europäische Länder uns seit Jahrzehnten vormachen, wie erfolgreiche Familienpolitik aussehen kann, vor allem die nordischen Länder, stehen wir noch am Anfang der Debatte.

Ein Umdenkungsprozess fängt erst ganz langsam an und er hat viele gesellschaftliche Bereiche noch gar nicht erreicht, das gilt insbesondere auch für die Arbeitswelt.

Wenn wir aktuell von der besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf reden, sind in der Regel die Frauen gemeint.

Gleichzeitig regen wir uns darüber auf, dass Männer sich nicht genug um den Nachwuchs kümmern und die Erziehung weitgehend immer noch ausschließlich Frauensache sei.

Es stimmt, viele Männer müssen hier ihre Einstellung ändern. - Aber was ist mit der immer größer werdenden Zahl von Männern, die in unserer Gesellschaft ganz bewusst eine aktive Vaterrolle einnehmen wollen. Die erlebt haben oder erleben wollen, welche persönliche Bereicherung es darstellt, die Kinder unmittelbar heranwachsen zu sehen. Die ihre Kinder nicht nur zum „Gute Nacht“ sagen oder am Wochenende sehen und erleben wollen. Diese Väter treffen auf eine Gesellschaft, in der Anspruch und Wirklichkeit noch weiter auseinander klaffen als die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bei Frauen.

Männer nehmen nicht nur deshalb kaum Erziehungsurlaub, weil sie nicht wollen, sondern weil sie kaum können!

Die Akzeptanz in den Betrieben ist weder unter den Kollegen noch unter den Vorgesetzen da. Bei jungen Frauen geht der Betrieb schon davon aus, dass sie schwanger werden können, aber dass nun auch noch Väter kommen und Erziehungsurlaub beanspruchen wollen, ist in der Realität der meisten Betriebe nicht vorgesehen. Die faktische Alternative heißt in der Regel „Arbeitsplatz oder Kindererziehung“.

In den Niederlanden arbeiten heute schon 20% der Männer Teilzeit. Kürzere Arbeitszeiten von Männern sind gesellschaftlich akzeptiert. In Deutschland hingegen wird wieder über längere Arbeitszeiten diskutiert. Familienfreundlichere Arbeitszeiten bleiben Männern oft verschlossen. Ihre Bedürfnisse nach intensiverer Familienorientierung erleben sie im Widerspruch zu veralteten Unternehmensphilosophien („Hast du das nötig?“)

In Schweden nehmen 55% der Väter Erziehungsurlaub oder Vatermonate, in Deutschland knapp 5 %. In Norwegen sind mindestens 4 Wochen des Elternurlaubs für den Vater reserviert, in Schweden mindestens 60 Tage, sonst entfällt die finanzielle Unterstützung. In Dänemark beträgt die Elternzeit 52 Wochen, davon kann die Mutter vor der Geburt vier Wochen beanspruchen, der Vater in Verbindung mit der Geburt 14 Tage bei voller Lohnfortzahlung.

Unter dem Begriff „Bündnisse für Familie und Beruf“ werden bei uns Frauen unterstützt. Väter bleiben außen vor.

Mütter und Väter haben gleichermaßen ein Vereinbarkeitsproblem. Allerdings ist bei diesem Thema die Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern umgekehrt zu betrachten. Niedersachsen braucht die Verankerung einer Väterpolitik genauso, wie es für Frauen schon Selbstverständlichkeit ist.

Es geht nicht um Gleichberechtigung, sondern um Gleichwertigkeit von Frauen und Männern in Familie, Beruf und Kindererziehung.

Das heißt,

  • Vorlage eines Konzeptes zur zukünftigen Entwicklung der Väterarbeit in Niedersachsen,
  • Förderung und Unterstützung von landesweiten Netzwerken und Initiativen, die Väterarbeit aufbauen, organisieren und vor allem die Balancefindung von Familie und Beruf unterstützen,
  • Das heißt aber auch: Hilfsangebote für die besondere Situation von Scheidungsvätern und Stiefvätern.

Der Hamburger Senat fördert z.B. das Väterzentrum Hamburg, NRW das Sozialpädagogische Institut NRW, Berlin: institutionelle und personelle Förderung (des Vereins mannege e.V.)

Für Jungen sind greifbare Männer im Prozess der Identitätsentwicklung von besonderer Bedeutung. Diese Erkenntnis ist nicht neu, aber das bedeutet auch, dass Männer stärker für erzieherische Berufe motiviert werden müssen. Nur die Benennung des Themas, wie vor einigen Jahren durch den Niedersächsischen Kultusminister, reicht nicht.

Zu guter Letzt fordern wir die Unterstützung der Bundesregierung bei der geplanten Einführung des Elterngeldes ab 2007 nach skandinavischem Vorbild, wonach bei einem 12-monatigen Bezugszeitraum mindestens jeweils 2 Monate für Väter und Mütter reserviert sind.

Meine Damen und Herren, ich glaube, dass wir uns im Ziel alle einig sind und hoffe daher, dass wir unseren Antrag im Ausschuss konstruktiv und ergebnisorientiert beraten werden.