Rede zur Eröffnung der 59. Gandersheimer Domfestspiele

 

Rede des Aufsichtsratsvorsitzenden Uwe Schwarz, MdL zur Eröffnung der 59. Gandersheimer Domfestspiele am 9. Juni 2017, 18.00 Uhr Stiftskirche. (Es gilt das gesprochene Wort)

Anrede,

nach der musikalischen Begrüßung durch Istvan Szarka (Trompete, Mitglied unserer diesjährigen Festspielband), freue ich mich, Sie hier heute zur offiziellen Eröffnung unserer diesjährigen und damit 59. Gandersheimer Domfestspiele begrüßen zu können.

Ich danke der Stiftskirchengemeinde, dass die Eröffnung wieder in dieser eindrucksvollen Kirche stattfinden kann. Das ist durchaus keine Selbstverständlichkeit.

Für die gute Zusammenarbeit bedanke ich mich bei den anwesenden Vertretern der Kirche, allen voran dem obersten Hausherrn Herrn Landesbischof Dr. Meyns den ich herzlich in unserer Mitte begrüße.

Lieber Herr Landesbischof, wenn ich noch eine Bitte anfügen darf. Wir haben heute etwas Befürchtungen, was die Wettersicherheit betrifft. In Zweifel hätten Sie da ja vielleicht die besseren Beziehungen.

Spaß beiseite, die diesjährigen Festspiele stehen erneut unter der Schirmherrschaft unseres Ministerpräsidenten Stephan Weil und ich freue mich für ihn heute herzlich die zuständige Fachministerin für Wissenschaft und Kultur Frau Heinen Kljajic bei uns begrüßen zu dürfen.

Die Unterstützung des Landes und auch des Bundes sind für unsere Festspiele überlebensnotwendig und da können wir uns mit dem Ministerpräsidenten und natürlich Ihnen auf zwei sehr entscheidende Partner verlassen- herzlichen Dank dafür.

Als weitere Vertreter der Landesregierung begrüße ich natürlich auch: Herrn Staatssekretär  Frank Doods aus dem Finanzministerium und Herrn Landesbeauftragen Matthias Wunderling-Weilbier bei uns.

Ich begrüße aus den jeweiligen Parlamenten auch dieses Jahr wieder bei uns: Frau Europaabgeordnete Quisthold-Rowold, Herrn Bundestagsabgeordneten Dr. Roy Kühne, und aus dem Landtag meine Kollegen Christian Grascha und Otmar von Holz.

Seien Sie alle herzlich willkommen.

Auch aus der kommunalen Ebenen sind wieder sehr viele Gäste aus dem Kreistag, sowie den Stadt- und Gemeinderäten unseres Landkreises und darüber hinaus anwesend. Eine namentliche Aufzählung würde den Rahmen sprengen.

Deshalb erlaube ich mir stellvertretend zu begrüßen: den Oberbürgermeister der Stadt Lüneburg, Herrn Ulrich Mädge, auch in seiner Eigenschaft als Präsident des Nds. Städtetages und den Hauptgeschäftsführer des Nds. Städtetages, Herrn Heiger Scholz.

Für den Landkreis heiße ich unsere Frau Landrätin Astrid Klinkert-Kittel herzlich willkommen.

Für alle anwesenden Bürgermeister begrüße, ich stellvertretend natürlich die Bürgermeisterin der gastgebenden Stadt, Franziska Schwarz in unserer Mitte.

Meine Damen und Herren,

viele von Ihnen wissen, dass unsere Festspiele seit 2009 ein neues Fundament haben und gemeinsam von der Kultur- und Denkmalsstiftung des Landkreises, der Kreissparkasse Northeim und der Stadt Bad Gandersheim getragen werden.

Ich begrüße daher stellvertretend für alle anwesenden Mitglieder des Aufsichtsrates den Vorstandsvorsitzenden der KS-Northeim Herrn Guido Mönnecke und den Vorsitzenden der Kulturstiftung, Herrn Joachim Stünkel, die beide gleichzeitig auch meine Stellvertreter im Aufsichtsrat der Domfestspiel-gGmbH sind.

Ohne diese Neuausrichtung wäre es für die Zukunft unserer Gandersheimer Domfestpiele sehr schwierig geworden.

In dieser Konzeption spielt auch der Förderverein unser Festspiele eine gewichtige Rolle. Ich bedanke mich bei allen Mitgliedern für ihre stetige Unterstützung und begrüße natürlich den Vorsitzenden, Dr. Bönicke, ganz herzlich bei uns.

Unsere Festspiele sind weit mehr als nur ein kultureller Leuchtturm unserer Region und unseres Bundeslandes.

Die Gandersheimer Domfestspiele stehen seit 59 Jahren nicht für seichtes, leichtes Sommertheater, milderer Qualität. Vielmehr sind sie bekannt: Für ihre Vielfalt, für hohen, künstlerischen Anspruch und für eine starke Ensembleleistung.

Als Freilichttheater eröffnen sie einen leichteren Zugang für alle gesellschaftlichen und sozialen Gruppen, gerade auch für Menschen, die die Hemmschwellen eines „festen Theaters“ nie überschreiten würden.Damit nehmen unsere Festspiele auch, wie hoffentlich jedes Theater, einen nicht zu unterschätzenden Bildungsauftrag wahr.

Damit dieses auch zukünftig so bleibt, sind wir mehr denn je auf viele Partner und Sponsoren angewiesen. Sie alle tragen zur Sicherung der Festspiele bei, sind gleichzeitig Multiplikator und Werbeträger für uns. Es würde den Rahmen sprengen, alle anwesenden Sponsoren zu erwähnen und es wäre ungerecht Einzelne herauszugreifen, weil Jeder für sich im Rahmen seiner Möglichkeit hilft.

Im Rahmen der Publikationen und auch außen an der Tribüne sind viele Unterstützer namentlich erwähnt. Ich hoffe, es ermuntert auch andere Personen, Unternehmen und Institutionen sich anzuschließen. Es lohnt - da bin ich mir sicher - für jeweils beide Seiten.

Natürlich begrüße ich auch alle Vertreter der Medien, insbesondere unsere Medienpartner. Ich bedanke mich sehr für die bisher schon erfolgte Berichterstattung und Unterstützung, vor allem die umfangreichen Festspielbeilagen im Gandersheimer Kreisblatt und der Eule.

Die 59. Domfestspiele stehen erstmalig unter der Intendanz von Achim Lenz.

Mit der begeisternden Premiere des Kinderstücks „Die kleine Hexe“ am vergangenen Pfingstsonntag hat er schon unter Beweis gestellt, was für ein tolles, spielfreudiges und sympathisches Ensemble er zusammengestellt hat. Ich bin davon überzeugt, dass wir das auch heute Abend erleben werden und ich bin auch gespannt, was er uns gleich erzählen wird.

Die Comedian Harmonists haben in einer großartigen Inszenierung mit ihren unvergänglichen, weltberühmten Liedern das Publikum der 57. und 58. Domfestspiele begeistert. Heute nun folgt die Fortsetzung. Auch da wird es natürlich Musik geben – ansonsten ist alles anders.

Die 6 Männer der Comedian Harmonists haben bekanntlich hart gearbeitet bis sich der Erfolg einstellte. Sie lebten und arbeiteten für ihre Musik - mit Politik hatten sie nichts am Hut.Dennoch wurde die Gruppe ein Opfer der Politik und 1934 nach der Machtergreifung der Nazis wurden sie faktisch zerschlagen. Die drei jüdischen Mitglieder durften in Deutschland nicht mehr auftreten. Der Verkauf aller bisherigen Schallplatten ab 1937 wurde verboten.

Damit wurde den Musikern ihre wirtschaftliche Existenzsicherung zerschlagen. Die drei jüdischen Mitglieder wurden zu Flüchtlingen, um dem Massenvernichtungswahn der Nazi zu entgehen und versucht sich im Ausland eine neue Existenz aufzubauen.

Mit der Fortsetzung der biografischen Geschichte der Comedian Harmonists wird nicht nur ein Stück Deutsche Geschichte lebendig, sondern die heutige Inszenierung hat leider auch eine erschreckende Aktualität. Nach Angaben der UN-Flüchtlingshilfe sind aktuell 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Soviel wie noch nie in der Geschichte der Menschheit. Die Hälfte von ihnen sind übrigens Kinder. 9 von 10 Flüchtlingen kommen aus armen Regionen oder Entwicklungsländern. Noch nie wurde unsere Weltordnung zeitgleich von so vielen selbstverliebten Größenwahnsinnigen bedroht.

Gleichzeitig gelingt es rechtsnationalen Populisten mit einfachen Schlagwörtern selbst in scheinbar gefestigten Demokratien die Stimmung aufzuheizen. Auf den Wahrheitsgehalt kommt es dabei nicht an. Wird man der Lüge überführt, erfindet man den Begriff der „alternativen Fakten“.

Es werden Neid, Hass und Fremdenfeindlichkeit geschürt und dadurch Ängste mobilisiert. Demokratische Strukturen werden diskreditiert, Nationalismus als Allheilmittel gepredigt.

Die Menschen glauben diesen Unsinn und was noch viel schlimmer ist, sie glauben es Personen, die selber im Wohlstand schwimmen und zwar zu Lasten derer, die ihnen hinterherlaufen.

So kam es zum Brexit, so wurden ein Herr Wilders und eine Frau Le Pen groß, und so wurde ein Herr Trump zum unberechenbaren Weltrisiko. Putin, Erdogan, Assat, Nordkorea, Südsudan, Afghanistan, die Liste der Horror-Szenarien ist damit lange nicht zu Ende und sie macht mir Angst.

Das unsere heutige Bundesrepublik nach den Gräueltaten der Nazis einmal zu den stabilsten und liberalsten Nationen der Erde gehören würde, ist ein unschätzbares Geschenk. Unsere Großeltern und teilweise noch Eltern, wussten aus eigener leidvoller Erfahrung, wozu Kraftmeierei, Unterdrückung und Diktatur führen. Sie haben siebzig Jahre lang dafür gesorgt, dass es in Europa keinen Krieg gegeben hat und neue Nazis in Deutschland keine Chance hatten.

Anrede,

Theater soll Freude machen und unterhalten. Theaterstücke wie heute, können und sollten aber auch unser Bewusstsein und Handeln darin bestärken: Wie sehr es sich lohnt für unsere Demokratie zu kämpfen, und auch für ein vereintes Europa zu kämpfen und Menschen zu helfen, die unverschuldet ihre Heimat verlassen mussten.

In diesem Sinne heiße ich Sie alle herzlich willkommen, bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit und darf Herrn Landesbischof Dr. Meyns um sein Grußwort bitten.

 

 

 


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