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18. Januar 2006: „Kein Allheilmittel, aber wichtige Maßnahme zum Schutz der Kinder“

SPD will Vorsorgeuntersuchungen zur Pflicht machen

Die SPD-Landtagsfraktion fordert, dass die bislang freiwilligen Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche zur Pflicht gemacht werden. Sie unterstützt damit die vom Senat der Stadt Hamburg beschlossene Bundesratsinitiative. „Niedersachsen muss im Bundesrat Farbe bekennen und für diesen Antrag stimmen“, sagte heute der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion Uwe Schwarz. Die SPD wird einen entsprechenden Antrag nächste Woche in den Landtag einbringen.
Darin wird außerdem gefordert, dass die Ergebnisse der Untersuchungen in anonymisierter Form für die bislang sträflich vernachlässigte Gesundheitsberichterstattung verwendet werden. So können unbürokratisch und kostengünstig verlässliche Daten über den Gesundheitszustand unserer Kinder erhoben werden. Anders als beim dilettantischen Fitnesstest von Kultusminister Busemann müssen aus diesen von qualifizierten Ärzten erhobenen Statistiken aber auch gesundheitspolitische Konsequenzen gezogen werden, sagte Schwarz. Natürlich sind Pflichtuntersuchungen kein Allheilmittel, wie Bundesfamilienministerin von der Leyen feststellt. Angesichts der schockierenden Fälle von Kindesmisshandlungen in den letzten Wochen und vor dem Hintergrund der alarmierend hohen Dunkelziffer darf die Suche nach vermeintlichen Allheilmitteln nicht als Alibi für Untätigkeit missbraucht werden. Vielmehr sollten die Instrumente, die nach Erfahrungen aus dem Ausland höchst wirkungsvoll sind, schnell eingesetzt werden, so Schwarz. Bei den Vorsorgeuntersuchungen überprüfen Kinderärzte die altersgerechte Entwicklung des Kindes. Die Untersuchungen U1 bis U7 erfolgen in den ersten zwei Lebensjahren. Bei der Untersuchung U10 für 12- und 13-Jährige werden auch die schulische Entwicklung und die familiäre Situation einbezogen. Bislang sind die Untersuchungen freiwillig. In der Vergangenheit haben insbesondere die Krankenkassen um eine stärkere Akzeptanz geworben, jedoch ohne den erhofften Erfolg. Während zwei Drittel aller Kinder aus Akademikerfamilien an der Untersuchung U9 teilnehmen, sind es bei Kindern aus bildungsferneren Schichten nur knapp 50 Prozent. Und nur ein verschwindend geringer Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund nimmt die Untersuchung in Anspruch. Dass im Bereich der Kindergesundheit erheblicher Handlungsbedarf besteht, zeigen Ergebnisse der Schuleingangsuntersuchungen: Bei etwa 45 Prozent der 50.000 in Niedersachsen untersuchten Schulanfänger wurden Gesundheits- und Entwicklungsprobleme festgestellt, die meist auf Bewegungsmangel und falsche Ernährung zurückzuführen sind. Bei weiteren 25 Prozent stellten die untersuchenden Ärzte bis dahin nicht bekannte Krankheiten fest.

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