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21. September 2009: Radioaktiver Wasserstoff als Auslöser von Leukämieerkrankungen?

Die SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag fordert die Landesregierung auf, eine Arbeitsgruppe aus unabhängigen Wissenschaftlern einzurichten, die dem bislang ungeklärten Phänomen überdurchschnittlich häufig auftretender Krebsfälle im Umkreis von Atomanlagen weiter nachspürt. Einen entsprechenden Antrag hat die SPD-Fraktion in diesen Tagen in den Landtag eingebracht (Drucksache 16/1644). „Bei einer Anhörung des Sozialausschusses vor einigen Wochen wurde klar, dass Kinder, die in der Nähe von Atomanlagen leben, überdurchschnittlich häufig an Leukämie erkranken. Das ist Fakt. Ein ursächlicher Zusammenhang lässt sich aber wissenschaftlich bislang nicht belegen“, sagte Uwe Schwarz, sozialpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, am Freitag in Hannover. „Der Klärungsbedarf ist weiterhin enorm.“
Die SPD-Fraktion weist in diesem Zusammenhang auf das radioaktive Isotop Tritium hin, auch als Schwerer Wasserstoff bekannt, das als ein möglicher Auslöser von Krebserkrankungen gilt. „Tritium ist ein radioaktiver Wasserstoff, der bei der Kernreaktion in Atomkraftwerken entsteht, durch alle bekannten Stoffe diffundieren kann und sich in Luft wie Luft und in Wasser wie Wasser verhält. Der menschliche Körper kann diese radioaktive Form des Wasserstoffs nicht von der natürlichen, unbelasteten Form unterscheiden. Es besteht der Verdacht, dass Tritium im Körper erbgutverändernd wirkt und auch in geringer Konzentration schwere Erkrankungen hervorruft“, erläuterte die umweltpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion, Petra Emmerich-Kopatsch. Messungen im Umkreis von Atomanlagen in Niedersachsen hätten jedenfalls erhöhte Tritiumwerte ergeben. Seit Jahren ist darüber hinaus bekannt, dass in der Schachtanlage Asse überhöhte Tritiumwerte in der Grubenluft und in der Lauge gemessen wurden. „Die einzurichtende Expertengruppe sollte den weltweiten Kenntnisstand über Tritium zusammentragen und in einem Bericht dem Landtag vorlegen. Zudem fordern wir, an Niedersachsens Hochschulen ein interdisziplinäres Forschungsprojekt zur Gesundheitsgefährdung durch Tritium einzurichten“, sagte Emmerich-Kopatsch.

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